Was ist DATEV Connect? Daten, Kosten und Cloud-Grenzen
Wer nach „DATEV Connect" sucht, meint damit DATEVconnect. DATEV schreibt den Produktnamen zusammen, und dahinter steckt keine Kleinigkeit der Rechtschreibung, sondern eine Entscheidung, die über Ihr ganzes Projekt bestimmt: DATEVconnect ist eine Schnittstelle für das eigene Netzwerk, nicht für das Internet. Wer eine Weblösung serverseitig an DATEV anbinden will, ist damit an der falschen Adresse — und merkt das leicht erst, wenn die Architektur schon steht.
Dieser Artikel erklärt, was DATEVconnect kann, was die Lizenz verlangt, warum es nur vor Ort läuft und welcher Weg für Cloud-Anwendungen übrig bleibt. Die Angaben zu Leistungsumfang, Lizenz und Technik stammen aus der DATEV-Dokumentation selbst, nicht aus Anbieterwerbung.
Was ist DATEV Connect, und was macht die Schnittstelle genau?
DATEVconnect ist eine Programmierschnittstelle zum zweiseitigen Datenaustausch zwischen einer Fremdsoftware und den DATEV-Programmen — lesend und schreibend, in beide Richtungen. Das steht so in der Leistungsbeschreibung DATEVconnect (Dok.-Nr. 0904166), dem verbindlichen Dokument von DATEV selbst.
Angebunden werden die DATEV-Rechnungswesen-Programme, DATEV Lohn und Gehalt sowie die DATEV Zentralen Stammdaten. Entscheidend ist der Nachsatz in derselben Beschreibung: DATEVconnect ist nur zusammen mit den dort in Abschnitt 1 genannten Programmen lauffähig. Abschnitt 1 nennt dabei zuerst das DATEV Grundpaket Basis und dann eines oder mehrere der Fachprogramme. Die Schnittstelle ist kein eigener Dienst, den man irgendwo aufruft. Sie ist eine Erweiterung einer bestehenden DATEV-Installation und wird laut Einrichtungsanleitung (Dok.-Nr. 1000736) auf demselben System installiert, auf dem die DATEV-Programme laufen.
Nicht unterstützt werden laut Leistungsbeschreibung die DATEV-Programme mit Freischaltcode — genannt wird DATEV Mittelstand Faktura mit Rechnungswesen compact — sowie DATEV Mittelstand Faktura und DATEV Lohn und Gehalt compact. Auf die Ausbaustufe kommt es also an: Dieselbe compact-Variante führt die Einrichtungsanleitung als nutzbares Programm auf, in der Freischaltcode-Version fällt sie heraus. Hier scheitert ein Projekt, bevor es begonnen hat — der Mandant hat DATEV, aber die falsche Ausbaustufe.
Welche Daten gehen durch die Schnittstelle?
Fast alle Stamm- und Bewegungsdaten des Rechnungswesens, aber in beide Richtungen unterschiedlich viel. Die Leistungsbeschreibung listet den Umfang im Zusammenspiel mit den Rechnungswesen-Programmen einzeln auf; hier der Überblick über die wichtigsten Bereiche:
| Datenbereich | Richtung |
|---|---|
| Mandanten, Wirtschaftsjahre, Kontenplan | lesen |
| Offene Posten (Forderungen und Verbindlichkeiten) | lesen |
| Geschäftspartner (Kunden und Lieferanten) | lesen und schreiben |
| Buchungen als Buchungsstapel | schreiben |
| Eingangsrechnungs- und Kassenbelegdaten | schreiben |
| Kostenstellen und Kostenträger | lesen (einzelne Sätze aktualisierbar) |
| KOST-Stapel, KOST-Buchungssätze, KOST-Eigenschaften | lesen und schreiben |
| Summen- und Saldenliste, Primanota, Buchungsstatistik | lesen |
Bemerkenswert ist die Asymmetrie bei den Buchungen: Sie können einen Buchungsstapel übergeben, aber die bereits gebuchten Kontobuchungen nicht ohne Weiteres zurücklesen. Dafür braucht es das Zusatzprodukt DATEVconnect Kontobuchungen, das eine eigene Lizenz verlangt. Wer eine Auswertung bauen will, die zurück in die Buchhaltung schaut, sollte das früh wissen.
Die technische Schnittstellenbeschreibung für Entwickler liegt im DATEV Developer Portal unter „Desktop APIs / Accounting" und ist ohne Anmeldung einsehbar, nach Bestätigung der Nutzungsbedingungen. Für die Nutzung gelten andere Regeln als für das Lesen — dazu gleich mehr.
Was kostet DATEVconnect, und wer muss die Lizenz bestellen?
Die Schnittstelle selbst kostet nichts. Seit den DATEV-Programmen 11.0 ist zwar eine eigene Lizenz aus dem DATEV-Shop nötig, doch Art.-Nr. 95280 steht dort mit 0,00 € im Monat. Geld kosten erst die beiden Zusatzprodukte: DATEVconnect Kontobuchungen mit 5,51 € und DATEVconnect Dokumentenmanagement mit 21,00 € im Monat (Preisangabe im DATEV-Shop, Stand September 2026).
Die Hürde ist deshalb keine Preis-, sondern eine Bestellfrage — und sie liegt nicht bei Ihnen. Die Shop-Seite richtet sich ausdrücklich an den Anwender: Wer DATEVconnect-Schnittstellen für den Austausch mit Partnersoftware nutzen möchte, muss diese Lizenz erwerben und sowohl DATEVconnect als auch die jeweilige Schnittstelle installieren. Jeder einzelne Kunde also, nicht Sie als Softwareanbieter. Ihre Integration funktioniert nicht dadurch, dass Sie sie gebaut haben, sondern erst, wenn beim Mandanten oder in der Kanzlei die Lizenz vorliegt. Ein Vertriebsgespräch über Ihr Produkt kann damit bei der Frage enden, ob der Steuerberater mitzieht.
Ausdrücklich ausgeschlossen sind laut Leistungsbeschreibung außerdem alle Anwendungsszenarien, die das Lizenzmodell von DATEV umgehen — also nicht vom Leistungsumfang gedeckt. Was genau darunter fällt, definiert DATEV nicht. Wer eine Konstruktion plant, bei der mehrere Mandanten sich eine Lizenz teilen, klärt das deshalb besser vorher als hinterher.
Warum funktioniert DATEVconnect nicht aus dem Rechenzentrum?
Weil DATEV genau davon abrät, und zwar schriftlich — und weil das Developer Portal die Desktop-Schnittstellen unter dem Reiter „Desktop APIs" gleich als „Schnittstelle, die nicht über das Internet, sondern nur im lokalen Netzwerk verfügbar ist" definiert. Ein Zugriff auf die DATEVconnect-Schnittstelle über das Internet, also über öffentliche Netzwerke, wird in der Einrichtungsanleitung nicht empfohlen; DATEV erklärt dort ausdrücklich, für dieses Szenario keine Aussage zur Datensicherheit treffen zu können. Das ist keine Formalie, die man mit einem VPN wegargumentiert.
Unabhängig vom Zugriffsweg verlangt die Einrichtung selbst einiges. Sie setzt einen Domänen-Administrator voraus oder einen Benutzer mit Administratorrechten auf der Arbeitsstation und auf den DATEV-Servern. Der für den Datenaustausch verwendete Windows-Benutzer muss laut Leistungsbeschreibung mit einem DATEV-Benutzer in der DATEV-Rechteverwaltung (Microsoft Entra ID) verknüpft sein. Und in Peer-to-Peer-Netzwerken lässt sich DATEVconnect nur am Peer-Server nutzen.
Was DATEV ablehnt, ist der Aufruf aus dem Rechenzentrum heraus über öffentliche Netze. Einen anderen Weg beschreibt dieselbe Dokumentation dagegen ausdrücklich: Der Browser des Nutzers darf die lokale Schnittstelle erreichen. Dafür gibt es in der Konfiguration der Desktop-API das Feld „Vertrauenswürdige Seiten", in das die Domäne einer webbasierten Partneranwendung eingetragen wird; über Rechnergrenzen hinweg verlangt DATEVconnect dann HTTPS. Die Daten laufen in diesem Fall nicht durchs Internet, sondern vom Rechner des Nutzers zu seiner eigenen DATEV-Installation.
Der Browser-Weg hat allerdings eine Bedingung: Er setzt voraus, dass jemand den Browser offen hat. Die Einrichtungsanleitung beschreibt DATEVconnect als „für den lokalen Einsatz konzipiert, als Schnittstelle von einem Server oder PC zur externen Software-Lösung"; das Verbot in DATEV-SmartIT begründet sie damit, dass dort „keine dauerhafte Anbindung zur externen Software-Lösung" bestehe. Ein CRM, das beim gewonnenen Deal von allein übergeben soll, braucht genau diese dauerhafte Anbindung.
Übersetzt heißt das: DATEVconnect passt zu Software, die im Netzwerk des Kunden läuft oder wenigstens in dessen Browser ausgeführt wird — ein Warenwirtschaftssystem auf dem Server, ein Dokumentenmanagement im Haus, eine Weboberfläche mit freigegebener Domäne. Es passt nicht zu einem Dienst, der die Daten serverseitig in seinem eigenen Rechenzentrum abholen will. Für ein CRM, das genau das tut, ist DATEVconnect der falsche Weg.
Für gehostete DATEV-Umgebungen gilt eine eigene Regel. In DATEV-SmartIT ist DATEVconnect laut Einrichtungsanleitung grundsätzlich nicht nutzbar; nur über das Zusatzmodul „Anbindung Drittanbieter" sind einzeln freigegebene Cloud-Lösungen zugelassen. DATEVasp-Kunden können DATEVconnect innerhalb ihrer Serverumgebung nutzen. Beides setzt voraus, dass die DATEV-Umgebung selbst bei DATEV gehostet ist. Für eine beliebige Weblösung im eigenen Rechenzentrum ändert es nichts.
Welcher Weg bleibt für serverseitige Webanwendungen?
Die Online-APIs von DATEV, die nicht am Kundennetzwerk, sondern am DATEV-Rechenzentrum andocken. Das Developer Portal trennt beide Welten in zwei Reiter, „Online APIs" und „Desktop APIs"; für Software, die serverseitig übergibt, zählt nur der erste.
Die vier praktisch wichtigsten sind schnell erklärt. accounting:documents überträgt digitale Belege ohne Medienbruch aus Ihrer Anwendung über das DATEV-Rechenzentrum an den Steuerberater. accounting:dxso-jobs schickt zusätzlich strukturierte Rechnungs- und Kassendaten mit. accounting:extf-files überträgt Bewegungs- und Stammdaten im klassischen DATEV-Format zum Abruf im Rechnungswesen. Und accounting:clients ruft ab, welche Rechnungswesen-Datenservices für die vorhandenen Bestände überhaupt freigeschaltet sind.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens heißt „im Developer Portal dokumentiert" nicht „frei nutzbar": Eine fünfte Rechnungswesen-Schnittstelle, accounting:dataexchange, ist im Portal ausdrücklich als kostenpflichtige API mit zusätzlichen Nutzungsbedingungen gekennzeichnet.
Zweitens ist die Richtung eine andere als bei DATEVconnect. Drei der vier oben genannten APIs übertragen in Richtung Rechenzentrum; die vierte fragt nur ab, was dort bereitsteht. Zurücklesen geht online nur über eben jene accounting:dataexchange, und dort liegt die eigentliche Einschränkung nicht im Preis: Die Daten beruhen laut Portal auf der letzten Archivierung im Rechnungswesen-Archiv. Wie aktuell sie sind, hängt also daran, wann zuletzt archiviert wurde — nicht am Live-Bestand.
Desktop oder Online: was passt zu Ihrem Fall?
Drei Fragen entscheiden das zuverlässiger als jede Funktionsliste:
- Wo läuft der Aufruf? Im Netzwerk des Kunden oder in seinem Browser mit freigegebener Domäne: DATEVconnect kommt infrage, solange die Übergabe nicht unbeaufsichtigt laufen soll. Auf Ihrem eigenen Server: nur die Online-APIs.
- Wollen Sie Daten aus dem Rechnungswesen zurücklesen? Offene Posten und Salden auf dem Live-Bestand gibt es nur über DATEVconnect vor Ort. Online liefert
accounting:dataexchangeStamm- und Bewegungsdaten aus dem Archiv, gegen Entgelt. - Wer bestellt die Lizenz? Bei DATEVconnect jeder Kunde einzeln — kostenlos, aber nicht automatisch. Das gehört in den Onboarding-Ablauf, bevor Sie das Feature versprechen.
Welche Systeme bereits an DATEV andocken und welche DATEV-Programme sie ergänzen, steht im DATEV-Marktplatz — filterbar nach ergänzender DATEV-Lösung und nach Schnittstelle. Er ist auch die ehrlichste Quelle für die Frage, ob eine Anbindung, die Sie planen, im Markt schon existiert; für Amazon etwa führt er mehrere spezialisierte Anbieter. Wie diese Daten den Weg nach DATEV tatsächlich nehmen — meist über Zwischenformate statt über eine eigene Schnittstelle der Plattform —, haben wir uns für Amazon, eBay und Shopify gesondert angesehen.
Was heißt das für ein CRM?
Steht Ihr CRM in der Cloud und soll es die Übergabe serverseitig erledigen, fällt DATEVconnect aus; und die Online-APIs erwarten Belege und Buchungsdaten, also Ergebnisse der Fakturierung, nicht Rohdaten aus einem Verkaufsprozess.
Der Weg, der ohne diese Voraussetzungen auskommt, hat deshalb eine Station mehr: Aus dem gewonnenen Deal entsteht eine Rechnung in einer Buchhaltungssoftware, und diese Software übernimmt die Übergabe an DATEV. Wie der erste Teil davon aussieht, haben wir an der Lexware Office API und am Weg vom Deal zur fertigen Rechnung im Einzelnen beschrieben; welche Software für diese Rolle taugt, ist eine eigene Frage. Der Umweg ist kein Kompromiss, sondern die Arbeitsteilung, für die beide Systeme gebaut sind.
Ausgeschlossen ist der direkte Weg damit nicht. Wer ihn gehen will, muss allerdings drei Dinge vorher klären, und keines davon ist eine Programmierfrage: über welche DATEV-Schnittstelle genau übergeben wird, wer gegenüber DATEV Vertragspartner ist, und ob der Status „DATEV-Marktplatz Schnittstellen Partner" vorliegt, den DATEV in seinem Partnerprogramm beschreibt. Das entscheidet mehr über das Ergebnis als die Frage, ob es technisch ginge.
Bleibt der Rat, der am meisten Umwege erspart: Klären Sie die Lizenz- und Netzwerkfrage, bevor Sie die Schnittstellenfrage klären. Ob DATEVconnect oder Online-API, entscheidet sich nicht an den Funktionen, sondern daran, wo Ihre Software steht und wer bei DATEV welche Lizenz bestellt hat. Wenn Sie den Fall lieber einmal durchsprechen, als ihn zu raten: beschreiben Sie uns kurz, wie Ihr Prozess heute läuft.