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sevDesk: Lohnabrechnung und Zeiterfassung

von Andreas Stoll /
Hände, die Finanzdokumente, einen 50-Euro-Schein und einen Schlüssel überprüfen, was auf Investitions- oder Immobilienth

Über 150.000 Selbstständige und KMU nutzen sevDesk für ihre Buchhaltung. Die Frage nach Lohnabrechnung und Arbeitszeiterfassung taucht regelmäßig auf, insbesondere seit dem BAG-Urteil 2022 zur Zeiterfassungspflicht. Klarstellung vorab: sevDesk ist ein Buchhaltungstool, kein Lohnabrechnungssystem. Wer Mitarbeiter beschäftigt, benötigt externe Software oder einen Steuerberater. Die Projektzeiterfassung in sevDesk deckt gesetzliche Anforderungen an Arbeitszeiterfassung nicht ab. Dieser Artikel klärt, welche Funktionen sevDesk bietet, welche nicht, und wie die korrekte Verbuchung von Lohndaten funktioniert.

74 Prozent deutscher Unternehmen haben bereits elektronische Zeiterfassung implementiert. Bußgelder bis 30.000 EUR drohen bei Verstößen gegen Aufzeichnungspflichten. Die Lohnbuchhaltung bleibt eine der sensibelsten Compliance-Aufgaben in KMU, die Klarheit über technische Grenzen und Schnittstellen erfordert. Der Markt für HR-Software wächst: Anbieter für kleinere Unternehmen verzeichneten 2023 ein Umsatzwachstum von über 16 Prozent, was den gestiegenen Bedarf an digitalen Lösungen unterstreicht.

Kann sevDesk Lohnabrechnungen erstellen?

Nein. sevDesk erstellt keine Gehaltsabrechnungen. Das Tool ist auf Finanzbuchhaltung spezialisiert, nicht auf Lohnbuchhaltung. Das Produkt ist explizit kein Lohnabrechnungsprogramm.

Der Unterschied zwischen Verbuchen und Erzeugen ist entscheidend: sevDesk kann Lohndaten verbuchen, aber nicht erzeugen. Gehaltsabrechnungen entstehen extern über spezialisierte Software wie Lexware Lohn, DATEV LODAS oder über einen Steuerberater. sevDesk verbucht anschließend nur die Nettolöhne und Lohnnebenkosten in der Finanzbuchhaltung. Diese Positionierung ist konsistent über alle sevDesk-Produkte: Das System konzentriert sich auf Rechnungsstellung, Umsatzsteuer-Voranmeldung und Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Lohnbuchhaltung erfordert eigene Compliance-Prozesse und behördliche Schnittstellen, die ein reines Buchhaltungstool nicht abbildet.

Der manuelle Aufwand pro Abrechnungszyklus liegt bei 15–30 Minuten für 5–10 Mitarbeiter. Dieser Zeitaufwand umfasst die Verbuchung von Nettolöhnen und Lohnnebenkosten nach Erhalt der externen Abrechnung. sevDesk erzeugt zudem keine Lohnsteuerbescheinigungen, keine Sozialversicherungs-Meldungen an Krankenkassen und keine Entgeltbescheinigungen nach § 108 GewerbeO. Alle behördlichen Meldungen laufen über die externe Lohnsoftware oder den Steuerberater.

Workaround: Die Nettomethode

Nach externer Erstellung der Lohnabrechnung werden Nettogehälter und Sozialversicherungsbeiträge manuell in sevDesk gebucht. Die genauen Konten hängen vom Kontenrahmen ab: Bei SKR03 (Standard für Einzelunternehmen und Personengesellschaften) gelten Konto 4100 für Gehälter, 4130 für Arbeitgeber-Sozialversicherung und 4140 für Arbeitgeber-Lohnsteuer. Bei SKR04 (üblich für größere Kapitalgesellschaften) liegen die entsprechenden Konten im Bereich 6000–6400. Welcher Kontenrahmen für Ihr Unternehmen passt, können Sie bei der sevDesk-Einrichtung wählen oder mit Ihrem Steuerberater abstimmen.

Buchungen erfolgen monatlich nach Überweisung an Finanzamt und Krankenkassen. Unterschiede entstehen je nach Personengruppe: Bei angestellten Mitarbeitern wird das Bruttogehalt in drei separaten Buchungen aufgeteilt (Netto, Arbeitgeber-Sozialversicherung, Arbeitgeber-Lohnsteuer). Bei Geschäftsführer-Gesellschaftern erfolgt die Verbuchung häufig über Gesellschafterkonten oder als Privatentnahme. Gesellschafter-Geschäftsführer in GmbHs unterliegen keiner Sozialversicherungspflicht, daher entfallen entsprechende Buchungen.

Externe Lohnabrechnungs-Software

Lexware Lohn kostet ab 49 EUR monatlich für bis zu 25 Mitarbeiter. DATEV LODAS wird über Steuerberatungskanzleien abgewickelt, die Gebühren sind verhandelbar. Sage Business Cloud Payroll eignet sich für Unternehmen mit internationalen Teams und mehreren Standorten. Personio startet ab 8 EUR pro Mitarbeiter für kleinere Betriebe. Steuerberater berechnen 15–35 EUR pro Abrechnung.

Die meisten Lohnabrechnungsprogramme exportieren standardisierte Dateiformate. DATEV LODAS erzeugt Summenlisten und Einzelbuchungsdatensätze im DATEV-Format (ASCII-Austauschformat), oft ergänzt um CSV-Exporte mit SKR03 oder SKR04. Eine DATEV-Integration ermöglicht direkten Datenaustausch ohne Medienbruch zwischen Lohnsoftware und Buchhaltung. Lexware Lohn bietet CSV- und XML-Exporte der Lohndaten an. Diese Dateien werden anschließend entweder manuell in sevDesk importiert oder über eine technische Schnittstelle übernommen. Der Datentransfer erfolgt über das sevDesk-Belegerfassungs-Modul oder per manueller Kontenübernahme aus einer CSV-Datei. Auf diese Weise entfallen Tippfehler und Übertragungsverluste.

Wer heute ein System aufbaut, sollte auf offene Exportformate zwischen Lohnsoftware und Buchhaltung achten und eine direkte Integration zur Vermeidung von Datensilos implementieren. sevDesk bleibt Buchhaltungs-Hub, die Lohnabrechnung bleibt Spezialistensache. Lexoffice als Alternative zu sevDesk bietet ähnliche Buchhaltungsfunktionen mit integrierten Lohnfunktionen, falls Sie eine Lösung mit stärkerem Lohnmodul suchen.

Wie funktioniert Zeiterfassung mit sevDesk?

sevDesk bietet Projektzeiterfassung für fakturierbare Stunden. Diese Funktion ist nicht für gesetzeskonforme Arbeitszeiterfassung ausgelegt. Pausenzeiten, Überstunden-Saldi und tägliche Arbeitszeitnachweise fehlen. Unternehmen benötigen separate Tools wie Clockodo, TimeTac oder Personio Time.

Projektzeiterfassung in sevDesk: Zweck und Grenzen

Die Projektzeiterfassung in sevDesk ist konzipiert für Freelancer und Agenturen, die ihre Leistungen nach tatsächlich erbrachter Arbeitszeit abrechnen. Der Workflow funktioniert wie folgt: Sie legen ein Projekt an (beispielsweise „Webentwicklung für Kunde XY"), erfassen Zeiteinträge manuell oder nutzen einen integrierten Timer, ordnen die erfassten Stunden dem entsprechenden Projekt zu und generieren auf dieser Basis eine Rechnung. Die Software berechnet automatisch die Gesamtstunden pro Projekt und pro Kunde, multipliziert diese mit einem konfigurierbaren Stundensatz und übernimmt die Positionen direkt in die Rechnung. sevDesk ersetzt jedoch keine Arbeitszeiterfassung im Sinne des Arbeitszeitgesetzes – die Funktion ist ausschließlich für interne Leistungsverrechnung konzipiert, nicht für Personalverwaltung, Compliance-Dokumentation oder Behördenprüfungen. Eine tägliche Dokumentation von Ein- und Aussteckzeiten, wie das Arbeitsschutzgesetz verlangt, ist nicht vorgesehen.

BAG-Urteil 2022: Gesetzliche Anforderungen

sevDesk eignet sich nicht für Arbeitszeiterfassung nach dem BAG-Urteil 1 AZR 94/22 vom 13. September 2022. Das Urteil verpflichtet Arbeitgeber zur vollständigen elektronischen Erfassung von Arbeitsbeginn, Arbeitsende und Pausen als tägliche Dokumentation. sevDesk verfügt über keine der erforderlichen Funktionen:

  • Keine Stempeluhr-Funktion (Ein- und Ausstecken)
  • Keine automatische Pausenerkennung
  • Keine Überstunden-Berechnung und kein Saldo-Tracking
  • Keine Nachverfolgung von Pausenzeiten nach ArbZG § 4 (30 Minuten Mindestpause bei über 6 Stunden Arbeitszeit, 45 Minuten bei über 9 Stunden)

Die Projektzeiterfassung erfasst nur geleistete Stunden pro Projekt – nicht die gesetzlich geforderten Zeitgrenzen pro Arbeitstag und nicht die revisionssicheren Belege, die bei Inspektionen vorgezeigt werden müssen.

Warum sevDesk nicht BAG-konform ist

Das BAG-Urteil 2022 fordert automatisierte, revisionssichere Dokumentation von Ein- und Aussteckzeiten sowie Pausenzeiten. sevDesk bietet keine Stempeluhr-Funktionalität und erfasst Arbeitszeiten nur zu Projektabrechnungszwecken, nicht zur Compliance-Dokumentation. Bei Inspektionen durch Zoll oder Berufsgenossenschaften gilt fehlendes System-Logging von Ein- und Ausstecken als kritische Compliance-Lücke. Inspektoren prüfen gezielt auf automatisierte Erfassungsmechanismen – ein Kriterium, das sevDesk nicht erfüllt. Nach Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) § 23 können Ordnungswidrigkeiten mit Bußgeldern bis 30.000 EUR geahndet werden. Die Projektzeiterfassung kann allenfalls ergänzend für internes Projekt-Controlling genutzt werden, ersetzt aber keine dedizierte, BAG-konforme Zeiterfassungslösung.

Externe Tools für Arbeitszeiterfassung

Separate Tools erfüllen die Compliance-Anforderungen. Clockodo kostet 6 EUR pro Nutzer und Monat, bietet Export für DATEV LODAS und eine Stempeluhr-App mit GPS-Erfassung für Außendienstmitarbeiter. TimeTac startet ab 3,60 EUR pro Nutzer und Monat, integriert API-Schnittstellen zu Lexware Lohn und bietet Terminal-Hardware für stationäre Erfassung. Personio Time ist in die Personio HR-Suite integriert, kostet ab 8 EUR pro Mitarbeiter und Monat und deckt Zeiterfassung, Urlaubsverwaltung und Lohnvorbereitung ab. Mobile Apps wie Zeit IO, Timr und Crewmeister bieten Stempeluhr-Funktion und Lohnsoftware-Export, teils kostenlos für bis zu 3 Mitarbeiter.

Integration zwischen Zeiterfassung und sevDesk

Die Integration erfolgt manuell. Zeiterfassungs-Exporte (CSV, DATEV-Format) müssen in die externe Lohnsoftware importiert werden, von dort fließen Lohndaten als Nettobuchungen in sevDesk. sevDesk hat keine native API zur Übernahme von Zeitdaten in die Lohnverbuchung. Dieser Medienbruch kostet 10–20 Minuten pro Abrechnungszyklus. Wer komplexe Datenflüsse optimieren will, benötigt Lohnsoftware mit direkter sevDesk-Schnittstelle oder API-Middleware wie Zapier oder Make.

Aufbewahrungspflichten und revisionssichere Archivierung

Lohnabrechnungen müssen 6 Jahre aufbewahrt werden (AO § 147). Arbeitszeitnachweise unterliegen derzeit einer 2-Jahres-Frist (ArbZG § 16). Ab 2027 möglicherweise 6 Jahre für elektronische Zeiterfassungsdaten gemäß GoBD-Auslegung – diese Verlängerung ist noch nicht final, Entwürfe des Bundesarbeitsministeriums deuten aber darauf hin. Der Umgang mit sensiblen Lohndaten erfordert DSGVO-konforme Integrationen, insbesondere bei der Speicherung in Cloud-Systemen. KMU sollten Zeitdaten bereits heute revisionssicher archivieren: verschlüsselt übertragen, in EU-Rechenzentren gespeichert, Auftragsverarbeitung nach DSGVO Artikel 28 vertraglich geregelt.

74 Prozent deutscher Unternehmen haben Zeiterfassung bereits eingeführt, 58 Prozent nutzen digitale Systeme. Cloud-basierte Tools mit mobiler App sind heute Standard. Wer noch ohne elektronische Zeiterfassung arbeitet, gehört zur Minderheit und trägt unnötiges Compliance-Risiko.

Welche Alternativen gibt es für KMU ohne Lohnbuchhaltungserfahrung?

Für KMU ohne Buchhaltungserfahrung ist der Steuerberater bis 10 Mitarbeiter in der Regel kosteneffizienter als Software-Lizenzen. Ab 10 Mitarbeitern rechnet sich der Wechsel zu dedizierter Lohnsoftware, weil die Flexibilität bei Gehaltsanpassungen und Compliance-Änderungen die Kostenersparnis überwiegt.

Steuerberater für Unternehmen unter 10 Mitarbeitern: Kostenübersicht und Gebührenordnung

Die Lohnabrechnung durch einen Steuerberater kostet typischerweise 15–35 EUR pro Mitarbeiter und Abrechnungszyklus, hinzu kommt ein Pauschalhonorar von 50–150 EUR monatlich. Bei fünf Mitarbeitern entstehen monatliche Gesamtkosten von etwa 125–325 EUR. Diese Kosten sind regional unterschiedlich und individuell mit der Kanzlei verhandelbar. Die Gebührenordnung für Steuerberater (StBVV) regelt die maximalen Sätze; verbindliche Auskunft gibt Ihre lokale Steuerberaterkammer. Ein wesentlicher Faktor: Der Steuerberater tritt als Verantwortlicher für die Einhaltung von Fristen gegenüber Behörden auf — dies reduziert Ihr Haftungsrisiko erheblich.

Steuerberater für Unternehmen unter 10 Mitarbeitern: Leistungsumfang und Vorteile

Ein Steuerberater übernimmt die komplette Abwicklung: Dateneingabe, Steuerdaten-Übermittlung an Krankenkassen und Finanzbehörden, Abmeldungen und Zusatzbescheinigungen. Sie sparen interne Einarbeitungszeit und benötigen keine spezialisierten Kenntnisse in Lohnsteuer, Sozialversicherung oder aktuelle Tarifänderungen. Der Betreuer arbeitet aktiv bei Gehaltsanpassungen mit und warnt Sie vor rechtlichen Veränderungen. Dieser Ansatz ist ideal, wenn Sie sich auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren möchten und Lohnbuchhaltung als Compliance-Aufgabe sehen, nicht als strategisches Werkzeug.

Dedizierte Lohnsoftware für 10–50 Mitarbeiter: Kostenübersicht und Einarbeitungszeit

Ab 10 Mitarbeitern lohnt sich der Einstieg in spezialisierte Lohnsoftware wie Lexware Lohn (ab 49 EUR monatlich) oder DATEV LODAS (über Ihre Steuerberaterkanzlei). Die Einarbeitungszeit beträgt typischerweise 2–4 Wochen für einfache Gehaltsstrukturen ohne Sonderzahlungen. Bei Tarifverträgen, Provisionen oder Sonderzahlungen kann die Einarbeitungszeit 8–12 Wochen betragen. Nach vollständiger Einrichtung liegen die Jahreskosten bei 600–1.200 EUR — deutlich unter den Steuerberatergebühren ab dieser Größenordnung. Planen Sie entsprechende interne Kapazität für die Schulung ein.

Dedizierte Lohnsoftware für 10–50 Mitarbeiter: Vorteile und Skalierbarkeit

Der zentrale Vorteil liegt in der Reaktionsgeschwindigkeit und Eigenständigkeit: Gehaltsanpassungen, Steuererklärungen und Änderungen in der Sozialversicherung können sofort umgesetzt werden, ohne auf die nächste Kanzlei-Kapazität zu warten. Neue Mitarbeiter werden schneller im System erfasst. Automatisierte Berechnungen reduzieren Fehler bei komplexen Gehaltsstrukturen. Die Software bleibt Ihre interne Ressource — Sie sind nicht von der Terminfindung mit dem Steuerberater abhängig. Voraussetzung ist, dass Sie oder ein Mitarbeiter Buchhaltungsgrundsätze verstehen oder sich diese in 2–3 Wochen aneignen können. Für sevDesk-Nutzer: Lexware Lohn und DATEV LODAS lassen sich über Schnittstellenlösungen in Ihren bestehenden Datenfluss integrieren.

HR-Suites für 50+ Mitarbeiter

Ab 50 Mitarbeitern werden HR-Suites wirtschaftlicher, die Lohn, Zeiterfassung, Recruiting und Mitarbeiterverwaltung in einer Plattform vereinen. Lösungen wie Personio oder Sage HR Suite bieten zentrale Datenverwaltung und Skalierbarkeit für größere Teams. Die monatlichen Kosten liegen bei 3–8 EUR pro Mitarbeiter und sind damit bei höheren Mitarbeiterzahlen kosteneffizienter als separate Lösungen. Zusatzfunktionen wie Urlaubsverwaltung, Leistungsbeurteilungen und Personalentwicklung werden Teil des Systems — dies vereinfacht die Datenpflege und senkt die Fehlerquote.

Entscheidungskriterium: Interne Buchhaltungskompetenz

Verfügen Sie über kein Buchhaltungsfundament, ist der Steuerberater bis 10 Mitarbeiter die einfachste Lösung. Mit interner Buchhaltungserfahrung oder der Bereitschaft zur Einarbeitung rechnet sich Software bereits bei 10–15 Mitarbeitern. Ab 15 Mitarbeitern mit stabiler Gehaltsstruktur wird dedizierte Lohnsoftware zur Standardlösung; Sie reduzieren externe Kosten um 40–60 Prozent pro Jahr. Ab 50 Mitarbeitern amortisieren sich HR-Suites durch zentrale Datenverwaltung, automatisierte Workflows und entfallende Schnittstellenpflege innerhalb von 6–12 Monaten. Nutzen Sie derzeit sevDesk für die Buchhaltung, integriert sich dedizierte Lohnsoftware über Schnittstellen nahtlos in Ihren bestehenden Datenfluss — mehr dazu in Abschnitt Datenfluss und Compliance.

Schwarzweißbild eines überfüllten Büroschreibtischs mit Computer, Stuhl und Papierkram.

Fazit: sevDesk für Buchhaltung, separate Tools für Lohn und Zeiterfassung

sevDesk deckt Finanzbuchhaltung ab, nicht Lohnabrechnung oder gesetzeskonforme Arbeitszeiterfassung. Wer Mitarbeiter beschäftigt, benötigt externe Lohnsoftware oder einen Steuerberater. Zeiterfassung erfordert spezialisierte Tools mit Stempeluhr-Funktion und Schnittstellen zur Lohnsoftware.

sevDesk als Buchhaltungs-Hub: Nettomethode-Workflow

Nach externer Lohnabrechnung buchen Sie Nettogehälter über SKR03 Konten 4100-4140 in sevDesk. Lohnnebenkosten (Sozialversicherung, Lohnsteuer) erfassen Sie getrennt und buchen sie monatlich nach Überweisung an Finanzamt und Krankenkassen. Dieser Workflow setzt korrekte Summenlisten der externen Lohnsoftware voraus. sevDesk empfängt die Buchhaltungsergebnisse, führt sie aber nicht durch — die Lohnsoftware bleibt die Quelle der Wahrheit. Eine klare Aufteilung dieser Rollen verhindert doppelte Buchungen und Abweichungen.

Abgleich und Fehlerprävention zwischen Lohnsoftware und sevDesk

Ein Abgleich zwischen Lohnsoftware-Report und sevDesk-Buchungen alle 3–6 Monate verhindert Abweichungen und ist mit 30–45 Minuten Aufwand pro Zyklus zu kalkulieren. Überprüfen Sie monatlich: Stimmt die Summe der gebuchten Nettogehälter mit der Lohnsoftware überein? Sind Lohnnebenkosten zum korrekten Zeitpunkt (nach Überweisung) gebucht? Diese Kontrollpunkte verhindern nachgelagerte Korrektionen und sichern die Prüfbarkeit bei Betriebsprüfungen. Bei 10–50 Mitarbeitern liegt der monatliche Abgleichaufwand unter 20 Minuten, wenn Datenflüsse standardisiert sind.

Zeiterfassung und Datenfluss zur Lohnsoftware: Schnittstellen und Implementierungskosten

Zeiterfassungstools mit direkter Lohnsoftware-Schnittstelle sparen manuellen CSV-Import. Bekannte Kombinationen: Clockodo für DATEV LODAS, TimeTac für Lexware Lohn. Mobile Apps mit GPS-Stempeluhr für Außendienstmitarbeiter erhöhen Compliance und ersparen manuelles Nachtragen. sevDesk bietet keine native API-Integration zu diesen Tools. Wer diese aufbaut, sollte mit Implementierungskosten von 1.500–5.000 EUR rechnen — diese entstehen durch Agentur-Entwicklung oder Custom-Lösungen und hängen von der Komplexität der Schnittstelle ab. Für einfache CSV-Importe sind keine Kosten erforderlich. Prüfen Sie vor Investition, ob Zeiterfassungs- und Lohnsoftware bereits nativ verbunden sind.

Standard-Workflow und Automatisierungspotenziale

Der Standard bleibt: Zeiterfassung exportiert CSV, Lohnsoftware importiert, sevDesk bucht die Summenlisten. Dieser monatliche Abgleich vor Lohnabrechnung ist für KMU ausreichend. Automatisierungspotenziale entstehen, wenn alle drei Systeme (Zeiterfassung, Lohnsoftware, sevDesk) Schnittstellen unterstützen — dann entfällt manueller Export und Import. Wer Rechnungsstellung und Buchhaltungsprozesse ergänzen möchte, findet in modernen Integrationen zusätzliche Optimierungen für Gesamtdatenfluss und Fehlerquoten-Reduktion.

Aufbewahrungsfristen und Compliance

Lohnabrechnungen unterliegen einer Aufbewahrungsfrist von 6 Jahren (Abgabenordnung § 147), da sie Steuerdaten enthalten. Arbeitszeitnachweise müssen 2 Jahre aufbewahrt werden (Arbeitszeitgesetz § 16), da sie primär dem Arbeitsschutz dienen. Best Practice: Bewahren Sie beide Dokumenttypen mindestens 6 Jahre elektronisch auf, um auf der sicheren Seite zu sein. Dies setzt ein Dokumentationssystem voraus, das Veränderungen oder Löschungen vollständig ausschließt und alle Zugriffe protokolliert — ein Anforderungsprofil, das Cloud-Lohnsoftware wie DATEV, Personio und Lexware Lohn standardmäßig erfüllen.

Revisionssichere Archivierung bedeutet konkret: Dokumente dürfen nach dem Speichern nicht gelöscht oder verändert werden, Zugriffe müssen protokolliert und Versionen trackbar sein. Bei Betriebsprüfungen ist diese Dokumentation vorzuzeigen — ein fehlender Nachweis kann zu Vorwürfen der Manipulation führen und Bußgelder nach Arbeitsschutzgesetz § 23 auslösen. Unternehmen, die PDF-Abrechnungen in normalen Ordnern oder Standard-Cloud-Speichern archivieren, riskieren, dass ein Prüfer die Authentizität und Integrität dieser Daten anzweifelt und damit ihre Zulässigkeit als Belege für die Steuererklärung infrage stellt.

Handlungsschritte für sofortige Umsetzung

  1. Lohnabrechnung korrekt strukturieren: Beauftragen Sie einen Steuerberater oder implementieren Sie spezialisierte Lohnsoftware (Lexware Lohn, DATEV Lohnverbuchung oder Personio). sevDesk ist nicht für Lohnberechnung zuständig.

  2. Zeiterfassung mit Compliance einführen: Wählen Sie ein Tool mit BAG-2022-konformer Stempeluhr-Funktion (Clockodo, TimeTac). Prüfen Sie, ob eine direkte Schnittstelle zu Ihrer Lohnsoftware existiert — das erspart monatlichen CSV-Export.

  3. Datenfluss automatisieren: Verbinden Sie Zeiterfassungs-Tool mit Lohnsoftware via Schnittstelle. Nach Lohnabrechnung exportieren Sie Summenlisten und buchen diese monatlich in sevDesk über SKR03 Konten 4100-4140.

  4. Revisionssichere Archivierung etablieren: Speichern Sie alle Lohnabrechnungen und Zeitnachweise 6 Jahre elektronisch in einem System mit Versionierung und Zugriffslogs. Dies können Sie über die Lohnsoftware selbst oder über einen dedizierten Dokumenten-Hub durchführen.

  5. Vertragsgrundlagen klären: Regeln Sie Auftragsverarbeitung (AVV nach DSGVO) schriftlich mit allen Anbietern (Lohnsoftware, Zeiterfassung, sevDesk). Dies ist Grundlage für datenschutzkonforme Nutzung.

sevDesk fungiert hier als Ihr Finanz-Buchhaltungs-Backend und erfasst die Ergebnisse der externen Lohnverarbeitung — nicht die Lohnverarbeitung selbst. Bei bis zu 10 Mitarbeitern sparen Sie 15 Minuten pro Abrechnungszyklus durch diese klare Aufteilung. Bei 50 Mitarbeitern beträgt die Zeiteinsparung 60–90 Minuten, weil manuelle Abgleiche entfallen und Datenflüsse standardisiert sind. Die Investition in Automatisierung amortisiert sich ab etwa 20–30 Mitarbeitern.